06484 Quedlinburg, Steinbrücke 23, Landkreis Harz
Koordinaten: 51.788463, 11.141503
Eigentümer(in): k.A.
Das Objekt ist als Denkmal ausgewiesen (jedoch nicht mehr die alte Mühle...). Denkmalverzeichnis der Stadt Quedlinburg Nr. 094 45757
Wohn- und Geschäftshaus Steinbrücke 23
Nutzungsarten: ehemals Getreidemühle
Baujahr k. A.- Abbruch ca. 1895
Zustand: verschwunden
Steinbrücker Mühle, Steinbrückenmühle, Markt- oder Steinmühle
Es heißt, Quedlinburg habe mehr Brücken als Hamburg. Ob das so stimmt weiß ich nicht, ich habe sie weder hier noch dort gezählt. Tatsache ist jedoch, dass Quedlinburg in der Bodeniederung erbaut, von mehreren Gräben und der Bode durchzogen wird. Demzufolge wird es eine große Anzahl von Brücken geben, die man oftmals gar nicht bewusst wahrnimmt. Das ist z.B. bei der "Steinbrücke" der Fall, denn sie liegt heute etwa 1,8m unter dem Straßenniveau und ist zudem beiderseits mit Wohn- und Geschäftshäusern bebaut.
Die Steinbrücke überspannt eine sumpfige Niederung, die trockenen Fußes zu überqueren in alter Zeit kaum möglich war. Irgendwann gab es hier sicher Knüppeldämme oder hölzerne Brücken, die aber immer wieder erneuert werden mussten, bis dann schließlich eine Steinerne Brücke errichtet wurde, die mit ihren 20 (oder andere Quellen auch 23) gewölbten Bogen diese sumpfige Niederung überspannte. Die erste urkundliche Erwähnung einer Brücke an dieser Stelle datiert aus dem Jahr 1229. Abbildung aus (1) Links vom Stadttor der "Spiegelturm", daneben die "Steinbrücker Mühle"

Erst mit der Flussregulierung und Trockenlegung wurde diese Brücke entbehrlich und schließlich konnte der Bereich bebaut werden. Am Markt beginnend verläuft die heutige Straße Steinbrücke nach Südosten bis zur Einmündung Neuer Weg, wobei die eigentliche Steinbrücke wohl bis zur Carl-Ritter-Straße reicht. Die Gewölbe unterhalb der alten Brücke sollen zum Teil noch immer als Gewölbekeller für die beiderseits der Steinbrücke errichteten Handelshäuser dienen.
Am Nordwestende der Steinbrücke stand die gleichnamige "Markt- oder Steinmühle". Sie war urkundlich nachweisbar im Besitz der Grafen von Reinstein.
Diese Mühle war urkundlich belegt etwa 970 im Besitz der Grafen vom Reinstein (auch Regenstein). Das war ein Niedersächsisches Adelsgeschlecht der sogenannten 'Harzgrafen', der letzte männliche Nachkomme verstarb 1599. Schon um 970 war diese Mühle existent, sie war die wichtigste Mühle in der Quedlinburger Altstadt. Später soll sie von der Bürgern gemieden worden sein, weil der (oder die) Müller unehrlich waren, was zu Beschwerden gegenüber der Obrigkeit führte. Es heißt, die Bürger ließen möglichst in den Stiftsmühlen mahlen...

Auszug aus (2) Urkundenbuch der Stadt Quedlinburg
Wenn der Zins aus der Verpachtung der Mühle schon vom Großvater der Grafen Ulrich und Bernhard gegen den Betrag von 200 Mark Halberstädtisch versetzt worden war, muss sie folglich wesentlich älter als aus dem Jahr 1438 sein.
Schließlich aber war die alte Mühle der Entwicklung der Stadt hinderlich, vielleicht war sie aufgrund ihres Alters auch schadhaft geworden, sie wurde schlussendlich am Ende des 19. Jhds. abgebrochen.
An ihrer Stelle entstand ein 'modernes' Geschäftshaus im Stil der damaligen Zeit, das noch heute steht. Auch der Mühlgraben fließt noch immer parallel zur Straße 'Word' am Haus vorbei (bzw. darunter hindurch).
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